{ Oktober 5, 2009 }

Hauptrolle für einen Magdeburger

Für Magdeburg ist dieser Film etwas ganz Besonderes, denn die Hauptrolle des Dorflehrers spielt der gebürtige Magdeburger Christian Friedel. Seine Liebe zum Schauspiel entdeckte der heute 30-Jährige schon früh: Mit zehn Jahren stand er zum ersten Mal als Statist auf den Brettern, die die Welt bedeuten, mit elf hatte er in „Der Volksfein“ seine erste Sprechrolle im damaligen Theater der Landeshauptstadt. Dann ließ in die Theaterwelt nicht mehr los: Christian Friedel war Mitglied des Theaterjugendclubs, spielte dort in Musicals („Die Fabrik“) und sogar im Ballett („Die unendliche Geschichte“). Und er inszenierte auch erfolgreich selbst („Salome“).

Bei so viel künstlerischer Kraft machte er natürlich sein Hobby zum Beruf, studierte an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München, bekam Engagements in den Münchner Kammerspielen, am Bayerischen Staatsschauspiel, bei den Salzburger Festspielen, am Schauspiel Hannover und seit dieser Saison am Schauspiel Dresden.
Erst vor wenigen Tagen gab er dort sein Debüt in der Titelrolle von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre.
Und nun macht Christian Friedel also auch noch Kino. Ziemlich großes sogar, denn „das weisse Band“ gewann bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes die „Goldene Palme“ und wurde von deutscher Seite als Vorschlag für eine Oscar-Nominierung als bester nichtenglischsprachiger Film eingereicht.
Wie kommt man an eine Hauptrolle in so einem erfolgreichen Film, wie geht man mit dem plötzlichen Erfolg um und wie geht’s weiter? „ Wie ich zu dieser Rolle gekommen bin? Ganz klassisch über ein Casting. Für diesen Film wurde ein junger Schauspieler gesucht, der Klavier spielen kann – und dazu wurde ich eingeladen. Es folgten weitere Castings mit dem Regisseur Michael Haneke. Es war ein wirklich langer Weg, aber schon die Castings waren eine tolle Erfahrung. Am Ende hatte ich meine erste echte Filmrolle, das war wie ein Sechser im Lotto.“
In „Das weisse Band“ spielt Friedel neben Schauspielergrößen wie Ulrich Tukur („Das Leben der Anderen“) oder Detlev Buck („Sonnenallee“). „In der Nacht vor dem ersten Dreh hatte ich Albträume vor Aufregung. Ich habe versucht, diese Aufregung zu verbergen.  Natürlich hatte ich einen Riesenrespekt vor meinen berühmten Kollegen. Doch ich habe gemerkt, dass man beim Film ganz anders arbeitet als im Theater.“
War der große Erfolg des Films vorauszusehen? „Dass dieser Film etwas Besonderes werden kann, hat man schon beim Lesen des Drehbuches gespürt. Aber mit diesem Erfolg hat, glaube ich, keiner gerechnet. Und für mich war es ein großartiges Erlebnis, bei den Filmfestspielen in Cannes über den roten Teppich zu gehen. Es ist ganz anders, als man es immer im Fernsehen sieht.“
Und die Zukunft? Liegt die beim Film oder im Theater? „Für mich war das Drehen eine besondere Erfahrung. Ich würde mir wünschen, in Zukunft beides kombinieren zu können.“

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