{ Juni 1, 2010 }

„TheMa wächst“: Ein Blick in die neue Theatersaison

„Wir sind TheMa“ – mit diesem Motto stellte sich vor fast genau einem Jahr das (fast komplett) neue Leitungsteam des Theaters Magdeburg der Ă–ffentlichkeit vor. Nicht nur viele neue Gesichter prägten die vergangene Spielzeit, auch neue Regiehandschriften, neue Sichtweisen auf das, was Theater ist, sein soll und sein kann. Dieser Neuanfang war ohne Frage auch ein Experiment, auf das sich sowohl die Theatermacher, aber auch das Magdeburger Publikum einlieĂź, einlassen musste … und wollte.
Nun ist die erste Spielzeit fast vorbei. Zeit, eine erste kleine Bilanz zu ziehen, aber auch schon einen Blick in die Zukunft zu werfen, diesmal mit dem Motto „TheMa wächst“. „ Mir war es eine große Freude, so viele interessierte Zuschauer bei Vorstellungen im Opernhaus und im Schauspielhaus kennen zu lernen und ihre begeisternden und ermutigenden Reaktionen auf zahlreiche unserer Produktionen erleben zu dürfen“, resümiert Generalintendantin Karen Stone ihr erstes Jahr in Magdeburg.
„Für mich war jeder Tag des letzten Jahres spannend“, erzählt Schauspieldirektor Jan Jochymski. Er hatte eine der schwersten Aufgaben zu stemmen, denn er trat die Spielzeit mit einem nahezu komplett neuen Schauspielensemble an. Mit diesem hat er so manchen großen Brocken gestemmt. Zu Beginn der Spielzeit gingen allein im Monat Oktober sieben Premieren im Schauspielhaus über die Bühne. „Wir haben ja quasi von Null angefangen, wir mussten uns erst einmal ein Repertoire aufbauen“, erklärt Jochymski. Deshalb werden auch sämtliche Stücke in die kommende Spielzeit übernommen. „Zusammen mit den neuen Premieren haben wir dann ein gutes und breit gefächertes Programm“, so der Schauspieldirektor. Dann, so verspricht er, würden auch in der Woche wieder mehr Vorstellungen zu sehen sein.
Viel Neues hat das Schauspielteam in seinem ersten Jahr ausprobiert. Das Haus wollte noch mehr auf die Zuschauer zugehen, zu einem Kommunikationspunkt in der Stadt werden. „Nach einem Jahr sind wir jetzt schlauer, wissen, welche Formate funktionieren und welche nicht“, weiß Jochymski. Das Highlight sind unbestritten die Auftritte der Schauspielband „Mixtape“. Die AGs dagegen haben nur zum Teil funktioniert: „Wir werden nur die AG Sport und die AG Literatur beibehalten.“ Auch von reinen Partys werde man sich verabschieden, so Jochymski: „Wir sind eben keine Partylocation, sondern ein Theater.“
Und was erwartet die Zuschauer nun in der kommenden Spielzeit? Im Schauspiel schaffen es die „drei Götter des Welttheaters“ (Jan Jochymski) auf die Bretter: Brecht („Der gute Mensch von Sezuan“), Goethe („Faust I“) und Shakespeare („Ein Sommernachtstraum“). Zudem nimmt das Projekt „Hamlet in Magdeburg“ einen zweiten Anlauf. „das haben wir in diesem Jahr einfach nicht geschafft“, so Jan Jochymski. Die Idee: Das Stück wird von Nicht-Schauspielern auf die Bühne gebracht. Der Premierenreigen reicht von Klassikern wie Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ bis zu Gegenwartsdramatik wie der Theaterfassung von Michael Kumpfmüllers bedrückendem Roman „Durst“, übrigens als Kooperation mit dem Magdeburger Puppentheater. Insgesamt 13 Premieren hat Jochymski mit seinem Ensemble auf dem Plan.
Das Musiktheater wartet mit neun Premieren auf. „ Ich freue mich besonders auf Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ im Oktober – ein beeindruckendes Werk mit wunderschöner Musik und einer atemberaubenden Handlung voller Geheimnis und Fantasie“, verrät Karen Stone. Außerdem bin ich glücklich, dass wir unser künstlerisches Team vervollständigt haben und mit dem neuen Generalmusikdirektor Kimbo Ishii-Eto einen gleichermaßen erfahrenen wie vielseitigen Musiker für Magdeburg gewinnen konnten, was mich außerordentlich freut. Er wird im Frühjahr die Opernpremieren von „Lucia di Lammermoor“ und „Der Freischütz“ leiten und bereits im Dezember sein erstes Sinfoniekonzert als Magdeburger GMD mit Werken von Mozart und Mahler dirigieren“, ergänzt die Intendantin. Auch seiner Reihe erfolgreiches Musicals bleibt des Theater Magdeburg treu: „Sunset Boulevard“ und als Domplatz Open Air „Disney’s Die Schöne und Biest“ stehen auf dem Programm.
Auch Ballettdirektor Gonzalo Galguera folgt einem oft geäußerten Publikumswunsch. Endlich steht in der kommenden Spielzeit „Der Nussknacker“ wieder auf dem Programm des Balletts. Allerdings nicht erst zu Weihnachten, sondern bereits ab Oktober. Wieder wird es insgesamt drei Ballettpremieren geben, alle unter Regie des Magdeburger Chefchoreografen.

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