Mónica Runde: „Gingko [Warum?]“
Zugegeben: der Titel des neuen Tanzabends des Balletts Magdeburg klingt etwas sperrig. Und auch die Tatsache, dass die Handlung von „Gingko [Warum?]“ im fernen und fremden Japan verortet wird, scheint für manchen Ballettfreund in Magdeburg vielleicht „gewöhnungsbedürftig“. Und doch oder gerade deshalb lohnt es, sich auf dieses tänzerische Experiment einzulassen, das übrigens die erste Arbeit der Choreografin Mónica Runde an einem deutschen Stadttheater war.
Das Stück ist 75 Minuten geballte Emotionalität und tänzerische Höchstleistung, gepaart mit eindruckvollen Bildern und ungewöhnlichen musiklaischen Klängen. Diese stammen vom spanischen Komponisten Luis Miguel Cobo und wurden eigens für die Magdeburger Uraufführung komponiert. Diese Musik ist eine Mischung aus traditionellen japanischen Klängen, meditativer Geräuschkulisse, aggressiven Percussions und Stimmaufnahmen.
Für die Tänzer eine besondere Herausforderung – und so finden sich in der Choreografie auch kaum Ansätze des klassischen
Balletts, der Abend ist modernes Tanztheater im besten Sinne.Die mögliche Angst, durch fehlende Kenntnis der japanischen Geschichte der Handlung nicht folgen zu können, erweist sich als unbegründet. Die getanzen Bilder sind stark und klar und lassen dem Zuschauer trotzdem Raum für Interpretationen. Ein Stück, das berührt, mitnimmt und nachdenklich macht und bei dem man nicht nur zuschauen, sondern mitdenken soll und muss. Nicht selbstverständlich für Tanztheater! Und ein Stück, in dem die Mitglieder der Magdeburger Compagnie um Ami Takazakura in der Hauptrolle und Ballettdirektor Gonzalo Galguera der in der Anfangssequenz des Abends mit seinem tänzerischen Können beeindruckt, wieder einmal beweisen kann, welche tänzerische Bandbreite sie in der Lage ist zu tanzen.