{ April 8, 2010 }

Ganz große Kleinkunst: “Bölcks Brett’l” ist eröffnet

Seit dem 7. April 2010 gibt es eine neue Kleinkunstbühne in Magdeburg: “Wir sind offen für alles, das heißt, wir sind nicht ganz dicht”, sagte Namensgeber Lothar Bölck zur Eröffnung von “Bölcks Brett’l”. Und auch wenn er selbst Kabarettist sei, betonte Bölck, das Brett’l soll keine zusätzliche Kabarettbühne sein. 80 Plätze gibts im komplett neu gestalteten Blauen Salon in der Sudenburger Feuerwache.

Und die Vielfalt, die Lothar Bölck sich wünscht, zeigte sich schon zur rund dreistündigen Eröffnungsgala. Künstler unterschiedlichster Genres probierten die neu gebaute Bühne aus. Und das “Brett’l” platzte fast aus allen Nähten. Drei Stuhlreihen mussten zusätzlich zu den vorhandenen Vierertischen in den Zuschauerraum gestellt werden, so groß war der Besucheransturm, dem Gastgeber Lothar Bölck kaum gewachsen war. Trotzdem fand er für jeden Gast einen Platz und servierte jedem noch einen Begrüßungssekt oder -saft.
“In der Feuerwache startet heut ne tolle Sache” sangen zum Auftakt die “Nachtschwärmer” vom Theaterschiff Ulrike Nocker, Matthias Krizek und Oliver Vogt. Und sie sollten Recht behalten. Kurzweilig und künstlerisch auf hohem Niveau vergingen die drei Stunden wie im Flug. Natürlich begrüßte Namensgeber Lothar Bölck persönlich die Gäste und seine “Begrüßungsrede” wurde natürlich (!) zur satirischen Abrechnung mit aktuellen Politgeschehnissen im Allgemeinen und der bundesdeutschen Ministerriege im Besonderen. Doch ehe Bölck so richtig warm wurde, erschien Hausmeister Gomolka (Knut Müller-Ehrecke) auf der Bildfläche. Er übernahm die Moderation und “Publikumsbespaßung” zwischen den einzelnen Gastnummern. Und so waren als erste Gäste noch einmal die “Nachtschwärmer” an der Reihe und präsentierten Ausschnitte aus ihren Programmen “Alles außer schlafen” und “Wellenreiter – Im Bugstrahl des Lebens”. Danach gaben Buchautor und MDR-Moderator Peter Hofmann und Musiker Martin Müller am Akkordeon einen Vorgeschmack auf ihr Programm “Liebe, Licht und ein Kamel”, das sie gemeinsam mit Knut Müller-Ehrecke demnächst auf “Bölcks Brett’l” präsentieren werden … von der Karriere zweier Äpfel über den “Beutel-Blues” von der Käuflichkeit der Welt bis hin zu einem Gute-Nacht-Gedicht zur Totalüberwachung … Gedichte und Lieder, nachdenklich und zum Schmunzeln.
Dann durfte die Jugend ran: Das “Prolästerrat” zeigte in ganz neuer Besetzung eine Kostprobe studentischen Kabaretts und eine, die auch beim “Prolästerrat” groß geworden ist, glänzte in einem Solo: Anika Janakiev als pseudointellektuelle, überspannte Professorin Dörte von Maibaum-Fallobst, die dem geneigten, aber leider mit mangelnder Intelligenz ausgestatteten Publikum ihr Buch anpries und sogar daraus vorlas. Köstlicher Spaß, schauspielerisch als auch inhaltlich, Künstlernachwuchs mit Zukunftschancen.
Brillant ging es auch nach der Pause weiter, nun aber mit zwei Größen der Magdeburger Kleinkunstszene: Tabea & Tobias Wollner spielten die ganze Bandbreite ihres Könnens aus – von einer melancholischen Version von “Fritze Bollmann” über eine ausgesprochen witzige Persiflage von Vico Torrianis “Gitarren der Liebe” bis hin zum Blues. Und am Ende der Eröffnungsgala gabs dann doch noch Kabarett satt: Lothar Bölck mit der Rede eines (blauen) Hinterbänklers im deutschen Bundestag, Kugelblitz Lars Johansen spöttelte in Höchstform über pädophile Priester, Magdeburger Tunnel und ständig zurücktretende und wieder auftauchende Stasi-beauftragte und den Schlusspunkt setzten die drei Hengstmänner Frank, Tobias und Sebastian in ihren Paraderollen als Manni Fest, Sohn Matze und Malte. Und nach drei Stunden großer Kleinkunst verabschiedeten alle Künstler zusammen unter der “Federführung” der “Nachtschwärmer” und einem Lied von von Stefan Gwildis ein begeistertes Publikum: “Wir haben doch jeden Berg geschafft. Hand in Hand mit ganzer Kraft. Mit Feuer und mit Leidenschaft. Was braucht man mehr dazu?” Alles Gute “Bölcks Brett’l”!

Fotos: Lars Frohmüller

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