Premiere fĂĽr einen Hausmeister
Schon zwei Tage nach der Eröffnung der neuen KleinkunstbĂĽhne “Bölcks Brett’l” gab es dort am 9. April die erste Premiere: Schauspieler Knut MĂĽller-Ehrecke zeigte sein Soloprogramm „Hausmeister Gomolka oder Das Leben hat neun Katzen“.
Giesbert Gomolka ist Hausmeister („Facility Manager sagt man nicht mehr, das klingt so gierig.“) eines Mehrfamilienhauses inklusive seiner doch sehr unterschiedlichen Mieter. Naja, eigentlich WAR er Hausmeister. Jetzt hat seinen Job ein Hausmeisterservice übernommen. „Die stehen zwar nie vor der Tür, dafür aber auf der Betriebskostenrechnung“. Und darum ist Gomolka geblieben, in seiner kleinen Werkstatt, steht den Mietern zur Seite und – er füttert deren Katzen. Neun sind es an der Zahl und immer, wenn eine von ihnen lauthals miaut, erfährt das Publikum die Geschichte ihrer Herrchen und Frauchen. Da gibt es die 85-jährige Frau Sternitzke, die noch die BdM-Uniform im Schrank hängen hat (psst!) und die sogar noch passt. Drunter wohnen Maik und Janine, zwei Ur-Machdeburjer. Er schraubt an seinem alten BMW, raucht alte Juwel und hört „Karat“ von alten ORWO-Kassetten, sie besucht mehrmals in der Woche den „Tussen-Toaster“ und hat öfter mal Handwerker zu Gast. Dann gibt es da noch Mechthild Ohnemann-Rettich mit Tochter Esmeralda Sophie Charlott, Vegetarier und auch sonst ziemlich skurril nach Gomolkas Geschmack. Als „Memories“ auf dem Klavier erklingt, lernen die Besucher Mai Ling Kozlowski kennen, ein thailändisches Mädchen, die genau wie ihre Adoptiveltern, das Ex-Lehrer-Ehepaar Kozlowski, Opfer des Tsunamis wurde. Deren Traum vom Bio-Baumkuchen-Bauchladen hat die Welle weg- und ihnen dafür Mai Ling in die Arme gespült. Und schließlich lebt in Gomolkas Haus noch die Familie Üzgür, die jedes bekannte Klischee einer türkischen Familie in Deutschland erfüllt.
Doch nicht nur die Geschichten der Mieter erzählt Gomolka, man lernt auch ihn und seine Familie kennen. Und man erfährt, dass der Hausmeister auch Poet ist. Immer wieder gibt er zu den verschiedenen Geschichten kurze Gedichte preis. Diese sind beim Publikum definitiv die Highlights des Programms, denn sie sind natürlich keine hohe Goethische Dichtkunst, sondern eben die Gedichte eines Hausmeisters.
Die Texte des Programms stammen größtenteils aus der Feder von Autor und MDR-Moderator Peter Hofmann, der in ihnen sehr fein die Ecken und Kanten unseres täglichen Lebens beobachtet. Müller Ehrecke schafft es dann, diese gesellschaftskritischen Texte mit der Rolle des „einfachen“ Hausmeisters so überein zu bringen, dass die Zuschauer durchaus Ausschnitte ihres eigenen Lebens darin entdecken können. Dabei ist der Abend jedoch kein kabarettistischer, sondern ein schauspielerischer Soloabend zum Schmunzeln, manchmal auch zum herzhaft Lachen, aber eben auch zum Nachdenken.





